Ein Haus für die Gartenbahn entsteht
(von unserem Vereinsmitglied Heinz-Hermann Oster)
Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Gartenbahn zu bauen, muss sich darüber im Klaren sein, dass er es mit den gleichen fünf Widersachern zu tun hat wie das große Vorbild, nämlich Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Wetter.
Nervige Fahrgäste hingegen fallen kaum ins Gewicht.
Vielleicht sind die Schienen schon im Garten fest verlegt, und nun soll die Gartenbahn um das eine oder andere Gebäude, in erster Linie wahrscheinlich ein Bahnhof, bereichert werden. Um es gleich vorweg zu sagen, das Angebot an Modellbauzubehör ist riesengroß, aber nicht ganz billig und immer „von der Stange“, d. h., man sieht „seinen“ Bahnhof auf jeder zweiten oder dritten Anlage.
Wäre es nicht reizvoll, Gebäude nach eigenem Entwurf zu bauen?
Für meine Gartenbahn hatte ich zunächst auch einmal Bausätze aus Großserien zusammengeklebt, später jedoch reizte mich der Selbstbau, und, oh ja, ich habe viele Fehler gemacht! Anfangs verwendete ich Styrodur-Platten, die waren leicht und mit einem scharfen Messer gut zuzuschneiden. Leider erwies sich dieses Material auf Dauer nicht als widerstandsfähig gegen die fünf obengenannten „Angstgegner“ des Gartenbahners, und so habe ich vor einigen Jahren einigermaßen erfolgreich angefangen, meine Häuser aus QBoard (R) zu bauen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Styrodur-Platten, die aber mit Zement beschichtet sind.
Dadurch erhalten die Gebäude später ein gewisses Eigengewicht (der nächste Sturm kommt bestimmt!). Die Platten lassen sich mit einer Stichsäge gut bearbeiten, man muss sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass man einen gewissen Verbrauch an Sägeblättern hat. Außerdem staubt es gewaltig (alternativ kann man auch eine Japan- oder sogar eine Laubsäge benutzen, es staubt zwar weniger, der Materialverschleiß ist aber ähnlich hoch), wer also aus den Zeiten der Pandemie noch Schutzmasken übrig hat, sollte diese unbedingt verwenden.
Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, die Platten mit einem Cuttermesser zu bearbeiten. Erstens bricht die Zementschicht unschön, zweitens verschleißt vielleicht nicht das Messer, aber das Handgelenk!
Vor dem ersten Sägeschnitt steht erst einmal ein detaillierter Plan. Wer ihn so groß zeichnet, wie einmal das Modell werden soll, hat es beim Übertragen der Maße einfacher, und er hat eine Zeichnung im Maßstab 1 : 22,5. Hier hat sich ein DIN-A-2-Zeichenblock bewährt. Es muss beim ersten Haus vielleicht nicht direkt ein großer Bahnhof sein, man kann mit einem Einfamilienhaus oder einem kleinen Schuppen, der aus vier Wänden und einem Dach besteht, anfangen. Im Folgenden möchte ich jedoch den Bau eines Hauses mit einem einfachen Satteldach beschreiben. Als Besonderheit sei erwähnt, dass ich Lust hatte, ein Fachwerkhaus zu bauen (das Fachwerk ist nur aufgemalt, also keine Angst!).
Der Steinsockel des Hauses wird zunächst einmal mit dem Pinsel in der Farbe aufgetragen, in der man ihn gestalten möchte. Danach werden die Fugen gemalt. Wer mag, kann dann den Sockelsteinen noch ein individuelles Aussehen geben. Ich habe mich für einen Sockel aus „Quadern‟ entschieden. Wer will, kann natürlich auch einen Sockel aus unregelmäßig geformten Steinen aufmalen.
Bei der Gestaltung des Daches kann man bei der Gestaltung seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich habe mich bei allen Häusern entschieden, die Platte zunächst einmal schwarz vorzustreichen. Dann wische ich mit dünn angemischter Farbe darüber. In diesem Fall habe ich mich für ein ziegelrot entschieden (2 Teile rot, 2 Teile gelb, 1 Teil braun). Wer möchte, kann die Farbe auch unverdünnt auftragen, es ist allerdings ein schöner Effekt, wenn die schwarze Farbe noch durchscheint.
Das Aufmalen der Dachziegel (mit Anthrazit) hat etwas Meditatives. Es dauert seine Zeit, und auch hier sollte man darauf achten, die Ziegel nicht allzu regelmäßig aufzumalen.
Sinnvollerweise wird auch das Dach nicht aufgeklebt, sondern mit den Giebelwänden mittels Stecknadeln verbunden (in verschiedenen Winkeln einstechen, das verschafft Stabilität). In diesem Fall habe ich mitten im Dach Schrauben versenkt. Darunter befindet sich der „Dachstuhl“, der aus zwei QBoard (R)-Dreiecken besteht. Später werden eventuelle Lücken zwischen Wänden und Dach noch verspachtelt.
Die Schornsteine sind ebenfalls aus QBoard (R), sie sind aus Reststücken hergestellt und mit Spachtelmasse auf dem Dach fixiert. Auch hier finden Stecknadeln wieder Verwendung.
Die Rauchröhren sind aus Kabelkanal, der farblich behandelt wurde.
Ganz wichtig: Wer meint, die Stecknadeln einfach durch die Zementschicht mit den Fingern drücken zu können, irrt gewaltig und wird sich wehtun! Die Nadeln – ganz vorsichtig – mit einen Hammer vorantreiben!
Auf die gleiche Weise ist auch ein Bauernhof entstanden.
Ein Wort zum Thema „Farbe“: Man kann ganz normale Abtönfarben verwenden, sie sollten natürlich „für außen“ geeignet und von hoher Qualität sein (wir erinnern uns wieder an unsere fünf „Angstgegner“).
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